Es begann als Hurrikan und wurde zu einem Trauma Amerikas. An diesem Wochenende jährt sich “Katrina” zum fünften Mal. Alle großen Networks und Newschannel senden live aus New Orleans und blicken zurück. NBC-Anchor Brian Williams hat ein erschütterndes Special produziert. Es dokumentiert, wie der Hurrikan zuschlägt und eine Gesellschaft versagt. Insbesondere Teil 4 macht mich fassungslos.
Zwei Baby-Leichen in einem Küchenschrank. Eingewickelt in Zeitungspapier aus den 30er Jahren. Jahrzehnte unentdeckt. Mumifiziert.
Was treibt Eltern dazu, ihre Kinder zu töten und dann so zu verstecken, fragt sich die Redaktion in der Konferenz. Das Thema soll in der 15-Uhr-Sendung, der ich gerade zugeordnet bin, aufgearbeitet werden. Ich finde, es ist Zeit für einen kriminologisch-kulturellen Brückenschlag und erkläre: “In Germany, parents prefer to hide their dead kids in the freezer.” Es gibt sie eben doch, die kleinen Unterschiede zwischen den USA und Deutschland.
Teppichböden im Sender-Design zählen wohl auch dazu und natürlich Verfolgungsjagden. Sie sind fester Programmbestandteil der Nachrichtensender (”It’s a race! It’s sports!”). Mehrmals die Woche schallt es “Car Chase!” durch den Raum. In der Redaktion starren dann alle auf den Bildschirm. Aber auch in den Büros der Finanzinstitute Manhattans steht das Leben still, wie mir mein Mitbewohner erzählt, der bei einer Investmentgesellschaft arbeitet. Die Verfolgungsjagd vom Donnerstag endete übrigens auf dem Flughafen von Dallas. Gab schon Schlechteres, sind sich die Kollegen einig.
Deutsche Themen (und Verfolgungsjagden) spielen hingegen eine untergeordnete Rolle. In meiner bisherigen Zeit sind mir eigentlich nur zwei Nachrichten aus der Heimat begegnet: Der Prozess gegen die HIV-infizierte “No Angels”-Sängerin Nadja und die Schließung der Hamburger Al-Quds-Moschee.
Uh, Moschee, eigentlich sollte man das Wort hier in New York derzeit besser komplett vermeiden. Seit in der Nähe von Ground Zero ein muslimisches Kulturzentrum plus “Mosque” gebaut werden soll, schlagen die Emotionen hoch und bekommen entsprechend viel Sendefläche. Häufig heißt das: Kurze Einführung ins Thema durch die Moderatorin, und mehr oder weniger sachlich diskutieren dann jeweils ein Befürworter und Gegner. Ein konfrontativer Stil, der nur wenig gemein hat mit der mitunter betulichen Atmosphäre deutscher Nachrichtensendungen.
Alles andere als krawallig ist der Umgang der amerikanischen Kollegen mit mir. “Ey, Prakti, koch mal Kaffee!” musste ich auch in Woche 3 nicht einmal hören. Was fast ein wenig schade ist, weil die Kaffeemaschine soll toll ist. Aber guckt selbst.
Ich weiß: Der Abschnitt “Brühvorgang” hat so seine Längen… Glückwunsch, wer bis zum Ende durchgehalten hat. Und fragt bitte nicht, was der Kollege, der mich die Maschine filmen sah, nun von mir denkt. Egal. Es ist nun mal mein Job, die Realität möglichst genau abzubilden.
Zum Abschluss daher noch das folgende Foto:
Ein grüner Feuerlöscher. Nicht zu fassen!
Freunde, ich bin tatsächlich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten…
Was machen wir, wenn wir Hunger auf Fisch haben? Wir gehen wahrscheinlich an die Kühltheke, auf den Markt oder ins Sushi-Restaurant. Der ein oder andere fährt vielleicht an einen Teich. Doch selbst dort wird er dann zu einer Angel greifen.
Anders als die Protagonisten der folgenden Reportage über Hand-Fischer, die so genannten “Noodlers”. Mit bloßen Händen gehen sie auf die Jagd nach Katzenfischen, die auch einmal 50 Pfund und mehr wiegen.
“Catfish Hunters“: Verrückte Rednecks und fantastische Bilder:
Für diesen Beitrag erhielt TV-Journalist Wright Thompson den Sports Emmy Award. Die Reportage lief auf ESPN im Rahmen von E:60 – einem Magazin, das auf Recherche und qualitativ hochwertige Umsetzung setzt.
Auf der ESPN-Website kann man mehr als 100 Videos abrufen. Besonders gut gefallen hat mir die Geschichte von Chelsea Baker. Die 13-Jährige spielt so gut Baseball, dass sie seit vier Jahren kein Spiel verloren hat. Und überforderte Jungs damit zum Weinen bringt.
New York ist faszinierend. Viele Menschen sagen, diese Stadt würde niemals schlafen. Seriös lässt sich das natürlich nur schwer überprüfen. (Man kann ja nicht überall sein…) Mich zumindest hält regelmäßig ein seltsames Brummen wach. Erste Nachforschungen ergaben, dass es wahrscheinlich aus der Waschküche im Keller stammt.
Doch eigentlich möchte ich von schönen Klängen berichten. New York ist schließlich “eines der bedeutendsten Zentren der Musik in den USA” (Wikipedia). Auf meinen endlosen Streifzügen durch die Stadt bin ich heute in die Künstlerszene eingetaucht.