America Standard



Das Leben der Anderen

Das Blog des Kollegen Boie von der Süddeutschen Zeitung habe ich an dieser Stelle ja bereits erwähnt. Aber wir sind nicht die einzigen, die im Rahmen des Burns-Stipendiums in den USA sind und bloggen.
Da wären auch noch Steffi Dobmeier von der Thüringer Allgemeinen sowie Michael Bröcker von der Rheinischen Post.

Ganz besonders entzückend ist auch das Blog “das süß leben” unserer US-Kollegin Krista Krapalos. Sie ist als amerikanische Gast-Journalistin in Frankfurt bei der FAZ und wagt sich u.a. in den telefonischen Nahkampf mit Pressestellen.


Dead-End Jobs

Dead-End Jobs


Tote Kinder und Kaffee

MSNBC

Zwei Baby-Leichen in einem Küchenschrank. Eingewickelt in Zeitungspapier aus den 30er Jahren. Jahrzehnte unentdeckt. Mumifiziert.

Was treibt Eltern dazu, ihre Kinder zu töten und dann so zu verstecken, fragt sich die Redaktion in der Konferenz. Das Thema soll in der 15-Uhr-Sendung, der ich gerade zugeordnet bin, aufgearbeitet werden. Ich finde, es ist Zeit für einen kriminologisch-kulturellen Brückenschlag und erkläre: “In Germany, parents prefer to hide their dead kids in the freezer.” Es gibt sie eben doch, die kleinen Unterschiede zwischen den USA und Deutschland.

Auf dem Teppich bleiben

Teppichböden im Sender-Design zählen wohl auch dazu und natürlich Verfolgungsjagden. Sie sind fester Programmbestandteil der Nachrichtensender (”It’s a race! It’s sports!”). Mehrmals die Woche schallt es “Car Chase!” durch den Raum. In der Redaktion starren dann alle auf den Bildschirm. Aber auch in den Büros der Finanzinstitute Manhattans steht das Leben still, wie mir mein Mitbewohner erzählt, der bei einer Investmentgesellschaft arbeitet. Die Verfolgungsjagd vom Donnerstag endete übrigens auf dem Flughafen von Dallas. Gab schon Schlechteres, sind sich die Kollegen einig.

Deutsche Themen (und Verfolgungsjagden) spielen hingegen eine untergeordnete Rolle. In meiner bisherigen Zeit sind mir eigentlich nur zwei Nachrichten aus der Heimat begegnet: Der Prozess gegen die HIV-infizierte “No Angels”-Sängerin Nadja und die Schließung der Hamburger Al-Quds-Moschee.

Uh, Moschee, eigentlich sollte man das Wort hier in New York derzeit besser komplett vermeiden. Seit in der Nähe von Ground Zero ein muslimisches Kulturzentrum plus “Mosque” gebaut werden soll, schlagen die Emotionen hoch und bekommen entsprechend viel Sendefläche. Häufig heißt das: Kurze Einführung ins Thema durch die Moderatorin, und mehr oder weniger sachlich diskutieren dann jeweils ein Befürworter und Gegner. Ein konfrontativer Stil, der nur wenig gemein hat mit der mitunter  betulichen Atmosphäre deutscher Nachrichtensendungen.

Alles andere als krawallig ist der Umgang der amerikanischen Kollegen mit mir. “Ey, Prakti, koch mal Kaffee!” musste ich auch in Woche 3 nicht einmal hören.  Was fast ein wenig schade ist, weil die Kaffeemaschine soll toll ist. Aber guckt selbst.

Ich weiß: Der Abschnitt “Brühvorgang” hat so seine Längen… Glückwunsch, wer bis zum Ende durchgehalten hat. Und fragt bitte nicht, was der Kollege, der mich die Maschine filmen sah, nun von mir denkt. Egal. Es ist nun mal mein Job, die Realität möglichst genau abzubilden.

Zum Abschluss daher noch das folgende Foto:

Grüner Feuerlöscher

Ein grüner Feuerlöscher. Nicht zu fassen!
Freunde, ich bin tatsächlich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten…


Vergangenheit



Harrington

Wo zum Teufel ist Harrington? Ratlos blicke ich auf die Email des Executive Producers. Zeit und Ort der täglichen Vorbesprechung hätten sich verschoben, kündigt er darin an:

....

Harrington… Wieso treffen wir uns ausgerechnet dort? Warum nicht im Büro? Oder geht es um eine Videokonferenz und nur die Moderatorin Chris Jansing (“CJ”) ist in diesem Harrington? Hier in den USA kommt es häufiger als in Deutschland vor, dass die Anchor “on location” sind, also von vor Ort und nicht aus dem Studio eine Sendung moderieren. Aber saß Chris mir nicht gerade noch gegenüber?

....

Ich bin verwirrt, und auch Google Maps hilft mir nicht wirklich weiter. Sprechen wir von Harrington in Delaware, dem in Georgia, dem in Kalifornien oder einem der vielen anderen Harringtons? (Achtung, deutsche Leser: An den verlinkten Orten ist Streetview verfügbar. Bitte trotzdem die Nerven bewahren.)

Kalifornien könnte natürlich sein. Am Wochenende ist CJ mal eben von New York nach LA geflogen, um über Imbiss-Wagen zu berichten.
Fast logisch also, dass auch wir mal einen Ausflug machen, um unsere Konferenz abzuhalten. Blöd nur, dass ich keine Jacke dabei habe. Wer weiß, in welche Klimazone wir reisen…

11.30 Uhr – und wir sind immer noch im Büro. Offenbar ist unser Trip abgeblasen. Denn selbst eines der nahegelegenen Harringtons könnten wir nun nicht mehr rechtzeitig erreichen. Und auch Chris ist unter uns, was gegen die Videokonferenz-These spricht.
Zudem sehe ich weder Essenspakete noch Gewehre, ohne die sich New Yorker wohl kaum auf eine Expedition in die Provinz wagen würden. Stattdessen trotten alle in Richtung Konferenzraum.

Als ich ihn betrete, fällt mir ein kleines Schild auf:

....

Ansonsten geht es mir gut.




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