Bye-b-iPhone! (Update: 30.01.2010)

Bitte die Updates beachten
27.10.2009
6.11.2009
31.12.2009
30.01.2010

Warum ich mein iPhone verlasse
Machen wir es kurz: Das iPhone sieht hervorragend aus, es ist gut verarbeitet und sensationell einfach zu bedienen. Ein Traum-Gerät.

Als ich das 3G-Schätzchen im letzten Jahr kennen und lieben lernte, zitterten mir die Hände. Und meine Finger wollte das Gerät seitdem nie mehr loslassen.

Doch nun ist Schluss.

An meiner Seite lebt künftig das Samsung Galaxy (aka I7500) – ein Android-Handy. Auf den ersten Blick ein schlechter Tausch:

Erster Eindruck
Das Galaxy ist hässlicher als das iPhone, seine Gehäuse knarzt ein wenig, der Akku ist schwach auf der Brust, es bietet keine iTunes-Anbindung und sein modernes AMOLED-Display erscheint mir bei Sonnenschein dunkler als das des iPhones.

Trotzdem ist es für mich das bessere Gerät. Denn für uns Jungs von heute zählen eben auch innere Werte. So ist das Galaxy gefühlt etwas schneller als das iPhone 3G, bietet Multitasking und einen Kompass. Doch das alles hätte natürlich nicht gereicht, mir mein geliebtes iPhone madig zu machen.

Apple <> Googe
Was mich und das iPhone auseinandertrieb, lässt sich mit drei Worten ausdrücken:
Apple und Google.

Ich liebe die Hardware von Apple bzw. die Services von Google.
Aber leider finden beide Unternehmen nicht so recht zusammen: So funktioniert GMail zwar grundsätzlich mit der Mail-App des iPhones – aber eben nur rudimentär, also ohne “Sternchen” und “Labels”, die ich beide intensiv nutze. Der Datenabgleich mit dem Google-Calendar läuft nur über Umwege, z.B. via Nuevasync. Doch werden so die Farben des GCals nicht auf das iPhone übertragen.

Es nervt.

Abhilfe könnte nur ein nahtloser Sync mit dem iPhone bringen oder eine umfassende Google-App. Doch wird die wohl nie kommen, angesichts der restriktiven AppStore-Politik von Apple. Zudem wäre sie wohl unpraktisch, da eine Google-App mangels Multitasking nicht im Hintergrund laufen könnte und die Push-Notifications des iPhones immer noch halbgar sind.

Deshalb mein Schwenk in Richtung Android. Das Galaxy macht diesen Schritt das erste Mal realistisch. (Das G1 war mir immer viel zu klobig und bietet keinen 3,5mm Kopfhöreranschluss – wie übrigens auch das von der “Generation Upload” propagierte HTC Magic. Was soll der Quatsch!?)

Betriebssystem
In vielen Punkten ist Android dem Apple Betriebssystem überlegen. Zuallererst ist da natürlich die perfekte Integration der Google-Services zu nennen: von Mail, Calendar bis zu den Contacts. Es funktioniert schnell. Und es funktioniert gut.
Darüber hinaus ist Android zwar nicht so hübsch wie das Apple OS, aber schlank, schnell und gut durchdacht. So ermöglicht es, z.B. Shortcuts zu einzelnen Kontakten oder GMail-Labels auf dem Desktop abzulegen. Es ist der Google-Ansatz zu spüren, den auch GMail und GCal auszeichnen: Visuelles Schwarzbrot, aber eben wahnsinnig nahrhaftes.

Browser
Der Chrome lite wirkt zunächst unhandlich, wenn man den Safari des iPhones gewohnt ist. Ich vermisse das sehr intuitive Pinchen und Zoomen des Apple-Multitouch. Angeblich sollen Patente einer Implementierung im Wege stehen. Die Größenänderung über Buttons funktioniert zumindest ganz ookeeee.

Apps
Hier kann der unübersichtliche “Android Market” (noch) nicht überzeugen. Viele Programme erscheinen hölzerner und weniger ergonomisch als die Applikationen für das iPhone. (Eine vernünftige Facebook-App sucht man z.B. vergeblich.) Dafür funktioniert die Bezahlung via Google Checkout perfekt. Außerdem kann man gekaufte Programme 24 Stunden lang zurückgeben und bekommt den Kaufpreis erstattet.

Notifications
Trotz der Neuerungen des OS 3.0 sieht das iPhone hier alt aus. Mir gefällt die Art und Weise der “Notifications” einfach nicht, während diese in Android nahezu perfekt gelöst sind. Benachrichtigungen aus Mail, Kalendar, SMS und Apps tauchen einheitlich in der Statusleiste am Kopf des Bildschirms auf. Praktisch und gut. Punktabzug gibt es lediglich dafür, dass die Leiste mit Wurstfingern nicht ganz einfach ausklappbar ist.

Philosophien
Mein Wechsel vom iPhone OS zu Android ist keiner mit Hurra. Das Galaxy ist nicht das bessere Telefon. Doch in Kombination mit Android ist es im Alltag einfach praktischer, selbst wenn es an manchen Stellen noch Kinderkrankheiten hat. Allerdings bin ich optimistisch, dass Google hier sukzessive nachlegt.

Bei Apple wäre ich da weniger zuversichtlich. Mittelfristig erwarte ich, dass Google Apple in Sachen plattformübergreifende Synchronisation weiter abhängen wird. Die monatelangen Probleme Apples zum Start von MobileMe haben meine Befürchtungen bestärkt.

Letztlich ist der Kampf iPhone vs. Google-Phones auch der Kampf von Philosophien. Und damit meine ich weniger den Gegensatz: “offen” kontra “geschlossen”. Denn wäre Apples Käfig wirklich golden, ich würde es mir dort mit Freude gemütlich einrichten.

Meiner Ansicht nach geht es bei der Suche nach dem perfekten Smartphone nicht nur um das bessere Mobile OS, sondern um das ganze Paket: Das Drumherum.
Der ideale iPhone-Nutzer ist geräteorientiert. Er hat einen Mac zuhause, auf dem er seine (.mac-)Mails schreibt und seine Termine in iCal lokal verwaltet. Seine Blogs und Fotos hostet er bei “Mobile Me”, das auch zentraler Synchronisationstool und Weboberfläche ist.

Der Android-Nutzer lebt in der Google-Welt. In der Cloud. Eine Welt, die trotz Google-Monokultur plattformunabhängiger und dezentraler angelegt ist. Seit Jahren bin ich damit sehr zufrieden.

Ich befürchte, dass Apple – trotz OS X und toller Hardware – bei Webapps mittelfristig Probleme bekommen wird, da die Innovationskraft Googles schwer zu übertreffen sein wird. Parallel werden immer weniger Nutzer bereit sein, sich auf den geschlossenen Apple-Kosmos einzulassen, wenn dieser einen geringeren Nutzwert oder schlechteren Service bietet als die Konkurrenz.

Ich warte auf den Tag, an dem Apple und Google endlich zueinander finden und drücke derweil mein Macbook mit der einen Hand und das Galaxy mit anderen.

Fazit
1) iPhone gut
2) Android-Phone für Google-Nutzer praktischer
3) Wann kommt endlich Goopple?


Update (27.10.2009):

Offenbar ist doch nicht alles so schön in der Google-Welt. Denn die Rolle der Gerätehersteller erweist sich größer als gedacht.

Knapp drei Monate nach dem Erscheinen dieses Eintrags wächst mein Unmut über Samsung, den Hersteller meines Android-Phones. Obwohl seit September 2009 die Version 1.6 (Donut) auf dem Markt ist, wurden die Telefone bislang nicht geupdatet. Bei solcher Schnarchnasigkeit nützt einem die schönste Innovationskraft Googles nichts. Ärgerlich.

Anders als von mir erwartet ist für Updates offenbar nicht Google zuständig sondern der Hersteller. Er muss eine neue Android-Version zunächst auf die jeweilige Hardwarekonfiguration des Gerätes anpassen. Letztlich kocht also jeder Telefonbauer sein eigenes Süppchen. Ich bin gespannt, was das für die Android-Landschaft bedeutet, wenn immer mehr Anbieter auf den Markt drängen. Wird es dann einen Flickenteppich Dutzender OS-Variaten geben, die alle irgendwie unter dem Namen “Android” laufen?!

Für mich als Nutzer wäre das ein unhaltbarer Zustand. Die Attraktivität Androids besteht bestand darin, dass die Hersteller sich auf die Hardware konzentrieren und Google sich um die Software kümmert. Denn hier fehlt den Hersteller Geld, Marktmacht und Know-How, um langfristig eine Rolle als Plattform zu spielen. Doch die Motorolas, HTCs und Samsungs mischen offenbar auch künftig in beiden Bereichen mit. In dieser Form hat Android zumindest für mich keine Zukunft.

Vielleicht waren meine Erwartungen auch einfach zu groß. In der Washington Post schreibt MG Siegler unter der Überschrift “The problem with iPhone-Killers”:

“Repeat after me: Android is trying to kill Windows Mobile, not the iPhone.”

Aber genau das müsste doch das Ziel sein! Ich hoffe weiter auf auf Besserung: Ein Umdenken bei den Herstellern oder das echte Google-Phone, bei dem die Android-Entwickler auch die Hardware-Seite kontrollieren – oder Goople.

Update (06.11.2009):

Meine negativen Erwartungen könnten noch übertroffen werden. Möglicherweise werden die Android-Updates (1.6/2.0) für das Samsung Galaxy gar nicht kommen. Bislang ging ich – wie viele Galaxy-Besitzer- nur von einer Verzögerungen aus. Die Geschäftspolitik von Samsung macht mich fassungslos.

Update (31.12.2009):

Das Jahr 2009 neigt sich dem Ende zu und noch immer gibt es kein Android-Update für das “Samsung Galaxy”. Trotzdem wird das Gerät weiter vertrieben. Von einem Kauf kann ich daher nur abraten. Von Samsung bin ich tief enttäuscht. Das war dann wohl das letzte Gerät dieses Unternehmens…

Update (30.01.2010):

Seit ein paar Tagen telefonieren ich mit dem “Nexus One” von Google/HTC und bin sehr zufrieden. Hoffentlich wird das Telefon nicht so schnell von Android-Weiterentwicklungen abgekoppelt.
Nexus One

Das Kapitel “Samsung Galaxy” ist geschlossen. Kein gutes Ende einer Geschichte, die eigentlich ganz gut begonnen hatte… Die Galaxy-Nutzer müssen weiter mit Android-Version 1.5 rumkrebsen, weil Samsung immer noch kein Update veröffentlicht hat. Schlimmer noch: Inzwischen kursieren bereits angebliche, erste Fotos des “Galaxy 2″.

Samsung konzentriert sich also lieber auf neue Kunden und lässt die bestehenden im Regen stehen. Mich ärgert, erschreckt und verwundert das. Erstaunlich, dass ein Unternehmen glaubt, sich so etwas leisten zu können. Für mich war das Galaxy der vorerst letzte Elektronikartikel von Samsung.

8 Kommentare zu “Bye-b-iPhone! (Update: 30.01.2010)”

  1. [...] Android-Handy oder Iphone? … hat sich bereits vor einiger Zeit Benjamin Nickel gefragt. Seine Antwort: Das Android-Handy von [...]

  2. Ein IPhone von Google? Hat google nicht schon genug Marktherschafft? aber egal es wäre durchaus praktisch.

  3. Apple Fan schrieb:

    Hallo Benjamin,

    Eines vorweg: Ich bin ein Apple Fan und deshalb kaufe ich Apple-Produkte. Jahrelang habe ich in sehr kurzen Zeiträumen mein Mobil-Telefon gewechselt. Seit ich das iPhone habe, hat dies ein Ende. Erst hatte ich das 2 G, jetzt gerade bin ich zum 3Gs gewechselt. Selbst das 2G hätte ich behalten können. Denn genau das ist es, was ich an Apple so mag. Neue Software beschleunigt (meistens) die Geräte – auch die Älteren.

    Android ist Open-Source. Open Source ist eine tolle Sache und bietet unglaublich viele Vorteile. Es wird jedoch niemals einen gewissen Grad an Professionalität erreichen. Wenn es diese Professionalität erreichen soll, dann wird eine Firma die Kontrolle übernehmen müssen. Ich prophezeie Dir, dass sich Google in absehbarer Zeit in dieser Situation sehen wird. Dies wäre nur ein klassischer Google-Schritt (siehe z.B. Google Maps). OK, die Alternative wäre dann Google-Ads auf Deinem Smartphone Homescreen – auch eine nette Vorstellung.

    Noch eine letzte Anmerkung: Du bist ein Google-Fan.

    Viele Grüße
    mk

  4. Helge schrieb:

    Also ich behaupte mal dass Du besser gleich auf einen Blackberry hättest wechseln sollen. Wem Productivity soviel zählt, für den isses wohl konsequenter Weise Pflicht. Aus Entwicklersicht ist das iPhone OS ein Traum. Es macht einfach Spass Apps dafür zu entwickeln. ANDROID ist eher schwieriger zu entwickeln und zu testen, trotz Java und sorry, die Bedienung finde ich absoluten Murks! Zähl mal allein die Anzahl der Tasten auf deinem Google-Phone. Dann hätte ich lieber den Palm Pre, genommen.

    Ich würde die Usability so schnell nicht gegen Productivity eintauschen wollen. Dann lieber einen Blackberry as Business-Phone und das iPhone für den Spaß. Und eines muss ich schon anmerken: Wenn Google und Apple fusionieren sollten dann werde ich meinen letzten Mac gekauft haben. Dann geh ich wirklich zu Linux oder gründe die Entwicklung eines neuen OS ohne DRM/Dongle/BigBrother-Features!

    meine 2 cent

  5. ACK

  6. [...] schönste ist allerdings, dass es einfach funktioniert, intuitiv und so wie man es erwartet. Über Leute die ihr iPhone gegen ein Google-Phone tauschen, kann ich nur schmunzeln. Wenn man sich so von Funktionalität von Google abhängig macht, warte [...]

  7. Hallo Benjamin,

    ich wechsel gerade vom Google G1 zum iPhone,
    weil das G1 schlecht verarbeitet ist, die Apps
    zum Teil nicht rund laufen oder nicht so smart
    sind, wie zum Beispiel beim iPhone oder unter
    Symbian. Auch, weil der Akku des G1 nicht der
    Beste ist und ich nicht so ein Google Fan bin,
    wie Du ;-)

    Genial am Android ist die Googleintegration.
    Maps funktioniert ebenso fantastisch, wie gmail
    und vorallem der Kalender. Den werde ich in erster
    Linie vermissen.

    Für den Kopfhörer gibt es bei Ebay für “nen Euro”
    einen USB auf Klinke Adapter.

    Viel Spaß mit Deinem neuen Handy …

  8. Das spricht mir ja sooooooooooo aus der Seele!

    Links neben mir das Android Phone, rechts vor mir der Mac…

    Echt schade, dass sich Apple das so ein wenig selbst verbaut. Die restriktive Politik ist leider wirklich ein no-go.

    Was allerdings die “Google Phones” so ein wenig im Erfolg bremsen könnte (neben den “Hassern”), ist die Angst und Panik vor “der Datenkrake” der Allgemeinbevölkerung. Hatte erst gestern die Diskussion mit einer Bekannten die konsequent alles was Google betrifft meidet. “Die wissen zu viel”. Was sich jetzt erstmal lustig anhört, ist denke ich allerdings in vielen Köpfen verankert…

    Zu den Kommentaren zuvor kann ich nur sagen: So what? Google Fan sein ist nicht schlimm. Klar ist da auch nicht alles toll, aber immerhin funktioniert das Meiste + es ist for free. Was will man mehr? Und nur so btw: Die meisten meiner Freunde halten mich für einen Apple Fan. Ich sage das also nicht, weil ich Apple nicht mag.

    Wenn man Google nicht so viel Marktherrschaft überlassen will, soll einfach mal eine Company in die Puschen kommen und Alternativen vorlegen. Die meisten affinen User sind ja nicht markenfixiert, sondern lediglich auf gute Performance aus.

    Anyway. Ich bin sehr happy mit der Kombi Android Phone + Mac (sogar das syncen klappt ganz gut & das Phone ist weiß ;-) )und werde so wohl noch eine ganze Weile fahren.

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